Sonntag, 27. Juli 2008

Retreat

Heute in einer Woche befinde ich mich wieder in Deutschland - noch immer verursacht dieser Gedanke in mir ein Gefühl der Ungläubigkeit. Ich glaube, ich werde diese Tatsache erst realisieren, nachdem ich tatsächlich im Flieger nach Hause sitze und diese 52 Wochen in den Staaten noch einmal gedanklich durchgehe. Bereits beim Schreiben dieser Zeilen wird mir ein wenig mulmig zumute. Deshalb möchte ich auch gleich damit beginnen, die zwei Wochen seit meinem letzten Blog-Eintrag für mich und Euch zu rekapitulieren und auch einen Ausblick auf die kommende Woche zu geben - denn mit diesem Eintrag schließe ich das Kapitel "The (Real) Simple Life" endgültig ab! Freut Euch auf einen hoffentlich interessanten letzten Wochenbericht aus dem Alltagsleben in Kimberton Hills... 

Diejenigen unter Euch, die die Berichte auf meiner Seite regelmäßig verfolgen, werden mit Sicherheit meinen Artikel über Valley Forge und Philadelphia gelesen haben. Ich werde es mir daher sparen, weitere Worte über diesen Nachmittagsausflug am vorletzten Dienstag zu verlieren. Und auch zu dem am 10. Juli in meinem Newsbereich angesprochenen Colbie Caillat/John Mayer Konzert in Philly möchte ich nicht mehr allzu viel schreiben - es muss reichen wenn ich Euch sage, dass es absolut fantastisch war; super Wetter, klasse Stimmung und eine atemberaubende Performance des Gitarren-Genies Mayer. Ich möchte es mir aber nicht nehmen lassen, Euch zwei Bilder dieses Abends zu zeigen. Here they are...

Nach guter alter Tradition dieses Weblogs soll es zu allererst darum gehen, von welchen Tätigkeiten mein Arbeitsleben hier geprägt war. Da hätten wir zum Einen die Begleichung einer fast schon verjährten Schuld: Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere an den Fall. Jannick und ich hatten im April in einer spontanen Aktion unzählige alte Reifen aus einem Waldstück hinter dem Serena-Haus ans Tageslicht befördert und diese mit der Zusicherung, sie innerhalb von zwei Wochen zu entsorgen, auf dem Hinterhof der Dairy-Farm "zwischengelagert". Nun, leider hatte das entsprechende Recycling-Center nur dienstags und samstags geöffnet und irgendwie ergab es sich auch nie, sodass aus zwei Wochen schnell vier wurden und plötzlich der Monat Juli an die Tür klopfte. Verständlicher Weise wurden die Verantwortlichen auf der Farm langsam nervös, sodass wir uns auf Bitten und Flehen schließlich am Montag dazu aufrafften, die mitunter ziemlich verdreckten Exemplare zu verladen und sie für die Fahrt am Folgetag vorzubereiten. Lange Rede, kurzer Sinn: Gegen eine Zahlung von $140 wechselten etwa zwei Dutzend Reifen ihren Besitzer und wir konnten dieses Kapitel, wenn auch etwas später als gedacht, doch noch zu den Akten legen. Was man nicht alles tut für die liebe Umwelt und Frieden mit den Nachbarn...

Auch sonst ist arbeitstechnisch einiges geworden in meinen letzten beiden Wochen als aktives Mitglied der Community (ja ihr habt richtig gehört, Freitag war mein letzter Arbeitstag, jetzt genieße ich nur noch mein freies Wochenende und meine restlichen Urlaubstage!): Im CSA-Garten half ich an den vergangenen Dienstagen eifrig bei der Ernte von Gurken, Roter Beete, Zwiebeln, Karotten und Salat verschiedenster Sorten mit - alles in riesigen Mengen, die anschließend direkt am Markt gewaschen und weiter bearbeitet werden (Erntezeit ist von 6 bis meist 11 Uhr, dann geht´s hoch zur CSA-Scheune). Und auch in meinem Nachmittags-Workshop, der Estate, stand einiges auf dem Programm: Neben dem üblichen Rasen mähen gehörte auch das Verschneiden von diversen, angeblich von einem Tumor befallenen Hecken und Büschen zu unseren Aufgaben. Am liebsten wollte unser Chef Elad die Sträucher ja bis auf wenige Zentimeter Höhe zurückschneiden, um sicherzustellen, dass alle Anzeichen der Krankheit auch ja beseitigt würden. Dass er dem Patienten dabei nicht komplett den Garaus gemacht hat, ist rückblickend betrachtet schon ziemlich erstaunlich! Wir begannen die Rettungsaktion also mit Gärtners liebstem Spielzeug, der Heckenschere. Natürlich blieb dies vor allem an mir und Jannick hängen, da der Meister selbst von Schmerzen in Rücken und Schulter geplagt war. Doch wirklich zufrieden gestellt schien er nach der uns mehrere Tage kostenden Aktion nicht: Seit zwei Wochen schnippeln wir nämlich nun schon per Hand an den hilflosen Gesellen herum, lassen nur die jüngsten und gesündesten Sprösse stehen und entfernen ansonsten alles, was zu weit nach außen hängt oder höher als Brusthöhe steht (demnach etwa 95 Prozent der früheren Hecke). Fertig geworden sind wir nicht (was vermutlich daran liegt, dass wir aufgrund der unerträglichen Hitze von stets über 30 Grad regelmäßig bereits um vier Uhr in den Pool hüpfen) und auch in den kommenden Wochen ist von dieser Seite wahrscheinlich nicht allzu viel zu erwarten, da Elad in den Sommerurlaub geht und die neuen Service Volunteers für die Estate erst im September kommen. Aber so ist das halt in Camphill - Geduld ist eine Tugend!

Auch in und um mein Haus Sankanac war besonders in der letzten Woche einiges zu tun: Esther ließ mich ihr zweistöckiges IKEA-Bett demontieren und es im Nebenzimmer wieder zusammen basteln. Das kostete mich NUR zweieinhalb Stunden, da der obere Teil des Betts nicht einfach vom unteren zu trennen war - nein, ich musste aus mir unerklärlichen Gründen fast das gesamte Konstrukt auseinander nehmen, um es durch die Tür zu bekommen. Welch ein Meisterwerk technischer Ingenieurskunst (und einen lieben Gruß an dieser Stelle nach Schweden)! Auch das Office im Dachgeschoss sowie der Keller fielen Esthers Tatendrang zum Opfer: Alles wurde umgeräumt, sauber gemacht und geordnet. Und auch der Garten bekam einen letzten Feinschliff: Letztmalig begab ich mich mit Rasenmäher und Motorsense auf den Weg, mähte in und rings um den Garten sowie das riesige Areal hinter dem Haus, verteilte den restlichen Mulch auf den im Frühjahr angelegten Beten (dies soll übermäßigen Unkrautwuchs verhindern) und entsorgte herumliegenden Sperrmüll wie etwa ein von mir im Morast entdecktes Bettgestell und Teile eines alten Klaviers, welches schon seit geraumer Zeit neben dem Haus auf seine endgültige Bestimmung wartete. Erst wenn man versucht, so etwas zu bewegen, "weiß man, wie schwer Musik wirklich ist" (Zitat meiner ehem. Musik- und Geschichtslehrerin Frau Kay). Jetzt übergebe ich mein liebstes Projekt in die Hände von Esther und den neuen Freiwilligen, in der Hoffnung, sie mögen wenigstens das Bewässern der neuen Pflanzen nicht vergessen und den Garten auch sonst einigermaßen in Ordnung halten. 


Ok, kommen wir zum angenehmen Teil der Woche, der Freizeitbeschäftigung: Ich hatte bereits das bombige Wetter erwähnt - wie kann man ein solches besser nutzen als mit einer Fahrt zum Strand! Anlass war dieses Mal ein sog. "Co-Worker-Retreat" Wochenende, an welchem alle Service Volunteers frei bekamen, um sozusagen als Belohnung für das Geleistete zusammen etwas unternehmen zu können. Eigentlich hatten wir geplant, am Strand von New Jersey zu zelten, doch irgendwie hat sich der Verantwortliche so lange nicht gerührt, bis alle Zeltplätze weg waren. So blieben wir am Samstag halt auf Camphill-Boden: Das etwas vom Village abgelegene Franklin-Haus stand zu diesem Zeitpunkt leer, sodass wir dessen Küche und Vorgarten für eine "kleine" Party nutzen konnten: Die Stimmung war ganz gut, es gab leckeren Kartoffelsalat und Steaks. Doch nach dem Essen nahm alles sehr konfuse Züge an. Die Amerikaner unter uns machten sich mit Sack und Pack auf nach "Beechwood", einem noch abgelegeneren Fleckchen ohne Stromversorgung, wo sie ihre Zelte aufschlagen und zu "handgemachter" Musik in kleiner Runde sitzen wollten. Wir konnten das nicht recht nachvollziehen, zumal das alles auch nahe Franklin möglich gewesen wäre. Doch die Damen und Herren beriefen sich auf die zuvor von einem Drittel der Anwesenden gemachte Vereinbarung, in Beechwood zu zelten. Nun ja, so beschränkte sich unsere Runde auf hauptsächlich deutsche, koreanische und nur sehr vereinzelt amerikanische Teilnehmer. Ein bisschen blöd war es schon, aber so ist das halt.

Die Nacht verbrachte ich dann unglücklicherweise nicht draußen in einem Zelt sondern in meinem auf mindestens 30 Grad aufgeheizten und unvorstellbar schwülen Zimmer, das ich nach lediglich drei Stunden Schlaf müde aber auch etwas erleichtert verließ: Die Fahrt nach Long Beach Island, New Jersey, sollte gegen neun oder zehn Uhr beginnen. Nach einem entspannten Frühstück in Franklin (die Abtrünnigen der letzten Nacht waren in der Zwischenzeit wieder zurückgekehrt) begaben wir uns mit zwei Mini-Vans in Richtung Atlantikküste. Dort angekommen mussten wir jedoch schnell feststellen, dass wir nicht den besten Tag erwischt hatten: Nebelschwaden lagen über dem Strand, ein Gewitter zog nur knapp an uns vorbei und sowohl das Wasser als auch die Luft waren überraschend kühl. Doch das sollte uns nicht den Spaß nehmen. Mit Fußball und Frisbee bewaffnet stürmten wir den Strand, trotz fröstelnder Füße wagte ich meinen ersten Ritt auf einem Boogie-Board und zwischendurch konnte man sich auch zum Sonnenbaden auf die faule Haut legen. Ein perfekter Tag am Strand sieht anders aus, doch ich fand es auf jeden Fall lohnenswert! Die Rückfahrt führte uns nach Surf City, wo schnell eine Pizza einverleibt wurde, dann ging es bei strömendem Regen (ich konnte kaum meinen Vordermann sehen so geschüttet hat das) auf den Heimweg. 

Auch Elad wollte seine Truppe gebührend verabschieden: Mit der ganzen Estate-Mannschaft (Vor- und Nachmittagsworkshop) rollten wir am Mittwoch in die eine Stunde entfernten Chanticleer Gardens, einer kleinen Parkanlage mit so spektakulären Attraktionen wie etwa einer neu gemauerten Burgruine (man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Stahlträger über den Eingängen zu kaschieren - sehr originell) oder auch einem Wasserrad, welches durch Wasser angetrieben wurde, was nicht etwa einem höherliegenden Flüsschen sondern einem Wasserhahn-ähnlichen, profanen Leitungsrohr entsprang. Alles sehr amerikanisch also. Der Garten war schnell umzirkelt, dann mussten wir uns auch schon von einem heftigen Regenschauer in ein riesiges Veranstaltungszelt retten, wo Brownies und Cider serviert wurden. Ich muss sagen, dass ich von der Größe und Vielfalt des Gartens etwas enttäuscht war. Doch der Weg war in diesem Fall wohl das Ziel - und die Villager hatten sowieso ihren Spaß.

So, schon neigt sich mein Bericht seinem Ende. Zwei Geschichten habe ich noch: Am Freitag Abend lud Sebastian (der Villager in meinem Haus) mich zu einem Shakespeare-Stück in ein Theater nahe Allentown ein. Er bekommt regelmäßig Tickets für diese Veranstaltungen. Für gewöhnlich nimmt er einen seiner Freunde mit und überlässt die Wahl eines weiteren Gastes dem Fahrer (an diesem Abend war ich das). Doch seine Begleitung sagte kurzfristig ab, sodass ich neben Aley auch noch spontan Jannick mit ins Boot holte. Der Titel des Stücks lautete "King Lear", eine Geschichte über einen König, der sein Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen will, die jüngste jedoch in einem Affekt übergeht und erst später seinen Fehler erkennt, als seine beiden anderen Töchter, nun im Besitz aller Macht, ihm den Wunsch verweigern, sich abwechselnd um ihn und 100 seiner Ritter zu kümmern. Die sehr moderne Inszenierung ohne aufwändige Kostüme oder Requisiten endete, wie sich das für ein Shakespeare-Drama gehört, mit dem Tod fast aller Hauptakteure. Ich persönlich fand besonders die schauspielerische Leistung beispiellos, dafür waren die Geschichte selbst und auch die "Special Effects" nicht wirklich mitreißend. Aber gut, das wahre Leben ist halt immer noch am spannendsten: Zeuge dieser Weisheit wurden wir auf der Rückfahrt, als ich erstmalig in diesem Jahr im Zuge einer Routinekontrolle von der Polizei angehalten wurde! Zu unserem Unglück besaß unser Auto keinen gültigen TÜV (wenn ich das jetzt mal so frei übersetzen darf). Resultat: $108 Strafe und die Erkenntnis, dass der deutsche Führerschein in Verbindung mit dem Internationalen im Staate von Pennsylvania nicht wirklich als gleichwertige angesehen wird (eigentlich ist diese Kombination ein Jahr lang gültig, aber nur die wenigsten Gesetzeshüter möchten je davon gehört haben). Doch mein Führerschein war nach den Worten des Beamten nicht von Belang in diesem Fall, sodass ich mit Bußgeldbescheid und dem freundlichen Hinweis, mein Licht wieder anzuschalten und den Gurt anzulegen, wieder auf die Piste durfte. Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr sich Esther gefreut hat...


Am gestrigen Samstag sollte schließlich mein wohl verdienter Urlaub und die letzte Woche in Kimberton beginnen: Mit Michael, Amanda, Beth, Andy, Jannick und Aley fuhr ich raus zum Marsh Creek State Park, einem mir bis dahin unbekannten See in unserer Nähe. Wir hatten Surfboards und ein Kanu dabei, dazu ausreichend Proviant und gute Laune. Während Amanda, Aley und ich uns mit dem Surfen noch ziemlich schwer taten, waren Michael und das Nordlicht Jannick voll in ihrem Element. Aley und ich machten uns also mit dem Kanu zum anderen Ende des Sees auf, wo wir ein wenig Wandern gingen. Bei einem kleinen Wettlauf schnitt ich mir meinen linken Fuß an einem Stein, sodass die Überfahrt zurück eher weniger spaßig war. Doch allzu schlimm ist es glaube ich nicht - Wettrennen werde ich in den nächsten Tagen jedoch mit Sicherheit nicht machen.

Auch in der kommenden Woche ist ein Ausflug nach Marsh Creek geplant (Aley und ich wollen dort in der Nähe für zwei Tage zelten). Ansonsten will ich irgendwann nächste Woche noch einmal zum Schuheinkauf nach Exton oder in den Outlet-Store (sowas ist hier in den Staaten einfach unschlagbar günstig) und am Mittwoch Abend werde ich meine offizielle Village-Abschiedsparty geben. Am Freitag ist dann ein Abschied mit Aleys ganzer Familie geplant und am Samstag Abend gegen halb sieben Ostküstenzeit besteige ich schließlich den Flieger in Philly. Doch soweit will ich im Moment noch nicht denken. Ich möchte mich stattdessen bei allen treuen Lesern dieses Blogs bedanken. Ich hatte ein einmaliges Jahr mit vielen fantastischen Erfahrungen und Eindrücken und ich hoffe, dass Euch "The (Real) Simple Life" zumindest einen kleinen Eindruck von meinem Leben hier vermitteln konnte.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Hootenanny

Eigentlich müsste mir das ja schon fast peinlich sein - einen ganzen Monat ohne einen einzigen Weblog-Eintrag! Zum Glück kann man mir aber nicht vorwerfen, faul gewesen zu sein: Nach meiner Rückkehr aus Kalifornien vor zwei Wochen stand innerhalb weniger Tage nicht nur einer meiner bisher umfangreichsten Artikel (nachzulesen hier) bereit, nein auch ganze fünf Bildergalerien, komprimiert und aus über 1300 Fotos sortiert, sind seitdem zu bewundern. Doch auch wenn es so scheint, meine erste Woche zurück im Camphill verlief keineswegs so gemütlich, als dass ich mich lediglich mit der Nachbearbeitung des Urlaubs hätte befassen können. Im Folgenden soll es also um die Ereignisse der letzten beiden Wochen gehen...

Esther und meine Mitbewohner Michael und Karin schienen in meiner Abwesenheit recht gut klar gekommen zu sein - das Haus war sauber, Berichte über Zwischenfälle hielten sich in Grenzen und auch sonst hatte ich das Gefühl, dass ich meinen Urlaub ruhig um einige Tage hätte verlängern können. Doch der Teufel steckt, wie so oft, im Detail! Die Speisekammer offenbarte sich als gähnend leer, die Höhe des Rasens im Garten überschritt eindeutig jegliche Camphill-Standards und kleine wie auch größere Reparaturen waren leider auch nicht angerührt worden. Auf Nachfrage musste ich feststellen, dass die offensichtliche Nahrungsmittelknappheit Absicht und auf unser überzogenes Budget der letzten Monate zurückzuführen war - der monatliche Großeinkauf im "Whole Food Store" in Kimberton beschränkte sich dieses Mal auf Butter und Käse! Im Klartext heißt das, Grundnahrungsmittel der nächsten Wochen ist das Gemüse, welches wir aus dem Garten bekommen, sowie Brot aus der Camphill-Bäckerei. Und da wundert man sich, dass man innerhalb kürzester Zeit fünf Pfund verliert...

Ich hatte bereits die angefallenen "Reparaturen" erwähnt: Zum Einen hätten wir da den alten Picknick-Tisch in unserem Vorgarten, dessen Fertigstellung mir vor dem Urlaub zeitlich leider nicht mehr gelungen war. Ein finaler Anstrich der neuen Bretter (ein helles Beige für die Oberfläche und dunkles Grün für die Kanten) sollte den Tisch nun wieder für einige Jahre wetterfest machen - mal sehen ob das gute Stück nun tatsächlich für Mahlzeiten unter freiem Himmel Verwendung findet oder doch nur als Schattenspender für Katzen und Hühner endet. Letztere bekamen von mir übrigens einen neuen Zaun spendiert (Projekt Numero 2 in jener Woche): Sebastian, der den CSA-Garten gegenüber von Sankanac leitet, hatte sich bereits wochenlang über unsere handvoll Hühner beschwert, die täglich über die Straße liefen und ihm das in der Scheune ausliegende Gemüse ruinierten. Das Stutzen der Flügel half nur wenige Tage, dann fanden die kleinen Biester auch schon wieder neue Wege, aus ihrem löchrigen Zuhause auszubrechen. Esther bat mich daher, die Sache in die Hand zu nehmen: Von einem Nachbarn besorgte ich frischen Bambus, den ich in handliche Stücke zerschnitt und zwischen den alten Zaunpfeilern als Stabilisierung und auch Verlängerung einbaute. Ein daran befestigter Draht soll das Federvieh nun daran hindern, über den Zaun zu fliegen, weiterer Bambus sowie etliche Steine und Hölzer versperren den Weg unter bzw. durch den Zaun. FERTIG!

Was stand sonst noch so auf dem Programm: Da wäre zum einen die "Hootenanny" am vorletzten Samstag. Bei diesem Volksfest auf der Wiese im Zentrum des Villages hatten sich einige hundert Schaulustige aus der Umgebung versammelt, um bei schwülen Temperaturen, (von mir gegrillten) Burgern und zur Musik von acht verschiedenen Bands den Sommer zu feiern. Jannick und Anna hatten viel Zeit damit verbracht, alles zu organisieren und Reklame zu machen. Doch meiner Ansicht nach hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt: Bis um zehn Uhr wurde ausgelassen gefeiert und obwohl weniger Besucher als erwartet erschienen waren, konnten wir auch finanziell recht zufrieden sein. Im Anschluss daran gönnten wir Co-Worker uns noch ein erfrischendes Bad im Pool, bevor die meisten schließlich erschöpft zu Bett gingen.

Die folgende Woche war eigentlich kaum von Nennenswertem geprägt: Ein Höhepunkt für mich war meine erste Reitstunde auf dem von Aley über den Sommer betreuten Pferd "Joy": Gut, geritten bin ich zugegebener Maßen kaum - das Pferd trottete seiner Ziehmutter meist nur hinterher, während ich nur wenig machen musste. Spaß hat es allemal gemacht und im Verlaufe meiner zweiten und dritten "Stunde" (ich glaube es waren nur wenige Minuten) habe ich auch gelernt, wie man die Vierbeiner dazu bewegt, in die ein oder andere Richtung zu laufen bzw. zu traben.

Ebenfalls letzte Woche hatten wir Ashontae, Claire und Ita, allesamt Freundinnen von Aley zu Besuch, die für einige Tage auf der Farm und im Garten aushalfen. Ausnahme bildete der Donnerstag, an dem diese vier, Jannick und ich uns freinahmen und früh morgens um sechs Uhr in Richtung Atlantikküste aufbrachen. Ziel war eigentlich Long Island Beach in New Jersey. Doch nach fast zweieinhalb Stunden Fahrt stellten wir verwundert fest, dass wir uns bereits in New York befanden! Die Lösung des Rätsels: Jannick hatte auf Anraten seiner Hausmutter nicht Long Beach Island (NJ) sondern Long Beach in New York State gegoogelt. Diese Erkenntnis sollte uns aber nur kurz erschrecken - zu weit nach Norden waren wir bereits vorgedrungen und zu sehr freuten wir uns alle auf das Meer, als dass wir noch einmal zwei Stunden in Richtung Süden gefahren wären - selbst die hohen Mautgebühren auf den New Yorker Schnellstraßen sollten uns jetzt nicht mehr zurückhalten. Der Tag am Strand verlief dann auch wie geplant: Das warme Wetter lud zum Schwimmen und (Fuß-)Ballspielen ein, die Mädels hatten leckere Sandwiches vorbereitet und zum Abendessen besuchten wir eine Pizzeria sowie eine Eisdiele, bevor es gegen sieben Uhr wieder auf den Heimweg ging. Da wir uns dieses Mal die "tolle Maut" (Maut heißt "Toll" auf Englisch) einsparen wollten, entschieden wir uns, New York nördlich zu umfahren. Dies schlug allerdings gründlich fehl - ohne Karte oder Navi verfuhren wir uns in den Straßen von Queens, mussten schließlich telefonische Hilfe in Form von Itas Vater konsultieren und landeten zu guter Letzt doch wieder am Flughafen John F. Kennedy bzw. an der Verrazano-Bridge, für deren Überfahrt man $10 zu berappen hatte. Entschädigt wurden wir dann allerdings von beidseitigem Feuerwerk - die ersten New Yorker feierten bereits den Independence Day (04. Juli)!

In dieser Woche bin ich mal wieder auf mich allein gestellt: Esther ist mit ihrer Tochter seit Sonntag zelten, was mir auf der einen Seite eine große Verantwortung und auch Mehrarbeit einbringt, auf der anderen Seite kann ich meine Zeit relativ frei gestalten. So bereitete ich am Montag Morgen vier verschiedene Gerichte auf einmal zu, um am Dienstag für andere Dinge wie z.B. die Gestaltung der Covers des neuen Camphill-Handbuchs für Coworker Zeit zu haben (siehe Bild rechts). Nebenbei versuche ich noch, meinen Villagern und Helfern (ein 14jähriger Schüler aus Deutschland sowie eine Nonne aus Philadelphia) genügend Aufgaben zu geben, damit sich auch niemand unterfordert fühlt. Das Ganze läuft noch bis zum Wochenende, dann ist meine Hausmutter wieder da und die letzten drei Wochen meines Dienstes beginnen! Ja, ihr habt richtig gehört. In drei Wochen bin ich wieder auf dem Weg nach Deutschland, genauer gesagt habe ich meinen Flug nun auf den 02. August umgebucht! Mit dieser Erkenntnis möchte ich meinen Bericht für heute schließen. Schaut doch demnächst wieder mal rein, mit etwas Glück seht ihr diese Website dann bereits in ihrem neuen Layout! Bis dahin liebe Grüße, Euer Marco

Montag, 9. Juni 2008

Atlantic City

Der Sommer ist da! Zumindest hier in Kimberton bewegen sich die Temperaturen zwischen angenehmen 25 und feucht-heißen 35 Grad Celsius (oder auch über 90 Grad Fahrenheit, das klingt noch etwas dramatischer). Da trifft es sich auch, dass gerade am vergangenen Freitag der Community-Pool offiziell eröffnet wurde. Jetzt kann man, wie auch schon im letzten Jahr, nach der Arbeit mal eben ins kühle Nass hüpfen, sich (meist umgeben von einigen Villagern und unzähligen kreischenden Kindern) auf dem Wasser treiben lassen oder auch bei einer Partie "Marco Polo" ein wenig Spaß haben. Wie? Ihr wisst nicht, was "Marco Polo" ist? Keine Sorge, das war mir bis Vorgestern auch unbekannt: Es handelt sich um ein Spiel im Wasser, bei dem ein Spieler seine Augen schließt und versucht, mit andauernden "Marco"-Rufen andere Spieler zu erwischen, welche "Polo!" erwidern und damit ihre Position Preis geben. Ihr könnt Euch vorstellen, das perfekte Spiel für mich...

Doch mit dem Spaß kommt natürlich auch Verantwortung. Wir Co-Worker wurden daher am Mittwoch nach dem Abendbrot (es regnete und war relativ kühl) zu Village-Rettungsschwimmern ausgebildet. In anderthalb Stunden wurden wir von Martha über die Pool-Regeln instruiert, erhielten einen Schnellkurs im Erkennen von bedrohlichen Situationen und im Umgang mit bestimmten Villagern und kleinen Kindern. Armin und ich stellten uns anschließend als zu rettende "Opfer" bereit - dies gewährte den übrigen Teilnehmern einen Moment zum Durchatmen, bevor uns schließlich alle zum Üben von Rettungssituationen etc. in den Pool folgten. Mit dem erfolgreichen Überstehen des Lifeguard-Trainings beginnt diese Woche auch schon die Pflicht: Jeder Service-Volunteer ist unter der Woche für einen Nachmittag zuständig, an den Wochenenden rotiert dies unter den Häusern. 


Normalerweise beginne ich meine Einträge ja mit der Arbeit und Projekten, an denen ich gerade arbeite. Doch bevor ich dazu komme, möchte ich noch eben auf mein freies Mai-Wochenende in Atlantic City zu sprechen kommen: Aley und ich waren am vorletzten Freitag Nachmittag nach der Arbeit in Richtung Ostküste aufgebrochen, wo wir nach gut anderthalb Stunden Fahrt unser Hotel erreichten - ein sehr nettes, preisgünstiges und vor allem sauberes Inn in dem kleinen Städtchen Galloway nahe der Spielerstadt Atlantic City. Leider war das Wetter am Samstag nicht das Beste, sodass wir uns zwar nach Atlantic City trauten, das Wasser des Atlantiks jedoch bis auf weiteres mieden :( 

Die Stadt an sich fand ich nicht besonders attraktiv - zwar fanden wir am Sonntag die ein oder andere nette Vorstadt, doch die wie planlos in den Himmel schießenden Casinos, durchzogen von einem sehr konfusen Highway-Netz (so fanden wir uns plötzlich in der Einfahrt eines dieser Hotels wieder, obwohl wir den Highway scheinbar nie verlassen hatten), ließen kein richtiges Urlaubsfeeling aufkommen. Hinzu kam der über der Stadt liegende Nebel und ein sich ankündigendes Gewitter. Wir machten also nur ein paar Besorgungen, darunter einige "Andenken", wie etwa den Strohhut, den man auf dem Bild links bewundern kann. Dann zwang uns die Kälte zurück ins Hotel, wo wir den Nachmittag mit dem Ansehen verschiedener amerikanischer Filmklassiker verbrachten. Doch wenigstens der Sonntag zeigte sich mit strahlendem Sonnenschein gönnerhaft: Nach einem kleinen Frühstück fuhren wir erneut zum Strand. Aley traute dem Frieden noch nicht wirklich, sodass sie sich lieber in der Sonne rekelte, während ich das Wasser des Atlantiks für mich entdeckte. Anschließend standen eine Partie Pingpong (wie die Strandversion dieses Spiels heißt, ist mir gerade entfallen) und ein Sandburg-Bauen-Contest auf dem Programm, bevor wir gegen Mittag wieder den Heimweg antraten. Wie ich das erwartet hatte, war dies ein sehr entspanntes Wochenende ohne große Attraktionen, doch gelohnt hat es sich auf jeden Fall! Wir beide konnten einfach mal abschalten und abseits von Camphill etwas Zeit miteinander verbringen, und das war schließlich der Grund des Trips. 

Gut, jetzt aber zurück zur Arbeit: Am letzten Dienstag hatte ich meinen Garten-Tag! Früh um 7 Uhr morgens ging es mit der Ernte los - verschiedene Salate, Spinat, Rüben, Schnittlauch uns vieles mehr musste bis um 12 Uhr geerntet sein. Dann beginnt nämlich der CSA-Pickup, also die Zeit, während der alle Mitglieder aus der Umgebung ihre Anteile an der Ernte abholen kommen. Anschließend überredete mich Sebastian dann auch noch, meinen freien Nachmittag zu verschieben und beim Pflanzen zu helfen, da der nächste Regen anstand und er Bange hatte, nicht rechtzeitig fertig zu werden. So pflanzten wir mehrere Beete, jäteten Unkraut und wenn wir Zeit hatten, gönnten wir uns auch hin und wieder eine Pause inmitten der Erdbeeren-Sträucher. Am Abend sank ich nach neun Stunden Arbeit in sengender Hitze erschöpft ins Bett, doch Spaß hat es auf jeden Fall trotzdem gemacht... 


Ansonsten kann ich berichten, dass meine Projekte in und um Sankanac so gut wie abgeschlossen sind! Am letzten Freitag nutzten Jannick und ich die Gelegenheit, dass unser Chef Elad nicht zum Estate-Workshop erschien: Während ich an drei steinernen Stufen arbeitete, die den etwa einen Meter über der Wasseroberfläche endenden Pfad (siehe letzter Artikel) nun mit der "Sandbank" darunter verbinden, ebnete Jannick eine angrenzende Fläche, indem er Gebüsch und aufgehäufte Äste entfernte und alles mit Holzstückchen bedeckte. Dann ging es mit der Motorsäge zu Werke: Zwei etwas zu lang geratene Baumstämme wurde in handlichere Stückchen geschnitten, die fortan als Bänke bzw. Mini-Tisch dienen, FERTIG! Und apropos Tisch (das ist mein zweites Projekt in dieser Woche): Der schon etwas in die Jahre gekommene Picknick-Tisch in unserem Vorgarten bedurfte eine gründlichen Sanierung! Anfangs dachte ich noch, ein wenig Abschleifen und neu Anstreichen würden genügen. Doch die zunehmende Verrottung, besonders an den Sitzenden, machten die Sache klar - neue Bretter mussten her! Das Auffinden, Zurechtschneiden und Vorstreichen passender Hölzer kostete mich einen ganzen Vormittag. Und auch das Entfernen der alten war eher zeitaufwändig. Ganz abschließen konnte ich die Restaurierung daher noch nicht - aber schließlich wird das Wort "Eile" in Camphill ja eher selten gebraucht. Sprich: Nach dem Urlaub wird das bestimmt... Ansonsten stand in dieser Woche das große Reinemachen in Sankanac auf dem Programm: Esther zeigte sich besorgt, dass unserem Haus während meines Urlaubs nicht allzu viel Pflege zu Teil werden würde. Daher durfte ich jede Ecke saugen und schrubben, Spinnweben entfernen, die Kühlschränke auf Hochglanz polieren, Andys und Beths Zimmer aufräumen und im Garten den Rasen mähen. Am Samstag fuhr ich dann auch noch einen ganzen Van vollgeladen mit Recycling zum Recycling-Center nach Pottstown. Ja, jetzt ist das Haus wieder rein und ich kann sorglos in meinen Urlaub starten. Mal sehen, ob ich nach meiner Rückkehr noch viel von der Sauberkeit wiedersehe. Ich für meinen Teil beginne jetzt mit dem Packen. Morgen früh um fünf geht es los zum Flughafen und dann werdet ihr für zwei Wochen nichts mehr von mir hören. Aber gleich nach meiner Rückkehr melde ich mich auf jeden Fall! Und mein Kalifornien-Reisebericht ist dann vermutlich auch nicht mehr weit. Bis dahin, liebe Grüße aus Kimberton!

Freitag, 30. Mai 2008

Mitten durchs Gestrüpp

Mit großer Freude aber auch reichlich Wehmut blicke ich auf die vor mir liegenden, letzten beiden Monate meiner Dienstzeit in Kimberton. Auf der einen Seite steht Anfang Juni endlich der lang ersehnte Urlaub in Kalifornien auf dem Plan, auf der anderen Seite wird die Zeit, die ich mit all den mir ans Herz gewachsenen Menschen hier noch habe, mit jedem Tag spürbar knapper. Doch die warmen Temperaturen des in den Startlöchern stehenden Sommers und die damit verbundenen Annehmlichkeiten versetzen so ziemlich jeden in eine gute Stimmung - und wenn dann auch noch das freie Wochenende vor der Tür steht...

Doch alles schön der Reihe nach: Die Gartenarbeit rings um mein Haus Sankanac fand mit dem Entfernen des letzten Baumstumpfes am Freitag vor zwei Wochen endlich ihren Abschluss (den Artikel dazu kann man hier nachlesen)! Bete und Wege wurden angelegt, Sträucher gepflanzt und Steine gesetzt. Doch wer mich kennt weiß, dass ich mich ungern auf getaner Arbeit ausruhe. Ein neues Projekt musste her: Der in Vergessenheit geratene Weg hinter dem Haus hinunter zum French Creek sollte seine Renaissance erleben! Michael und Karin hatten schon einmal versucht, mit Spaten und Machete bis zum rauschenden Flüsschen vorzudringen, kamen allerdings nicht besonders weit, da es vor "Poison Ivy" nur so wimmelte und der feuchte Frühling eine Sumpflandschaft entstehen hat lassen, deren Durchquerung sich als äußerst schwierig herausstellte (die drei Bilder unten zeigen, wie man sich das vorstellen kann). 

Ich rüstete mich also mit Motorsense und Schere aus und reinigte den kompletten zukünftigen Pfad. Verzögert wurde diese Arbeit durch Esthers Wunsch, das riesige Areal neben sowie hinter dem Haus zu mähen - ersteres möchte sie später als Gemüsegarten nutzbar machen. Diese Aktion kostete mich einen ganzen Vormittag. Doch das sollte mich nicht entmutigen. Am folgenden Tag besorgte ich Bretter, die ich, auf Steinen gelagert, über den Morast legte. Außerdem schlug ich an einer besonders steilen Stelle ein paar Holzpflöcke in den Boden, die nun als Stützen für drei Treppenstufen dienen. Im Weg liegende Bäume wurden mit der Motorsäge beiseite geschafft, sich der Motorsense widerstrebendes Gebüsch und einige Wurzeln fielen Spaten und Axt zum Opfer und schließlich ebnete ich große Teile des Weges mit Woodchips, jenen, die ich auch schon für die Wege im Garten verwendet hatte. Als Wegbegrenzungen dienten mir zu guter Letzt Baumstämme und Äste. FERTIG! Nun hat Sankanac einen eigenen Zugang zum Creek, mit einer guten Badestelle (sie ist im Gegensatz zum Rest des Flusses relativ sandig und das Wasser ist mit knapp unter einem Meter Tiefe fast zum Schwimmen geeignet) und durch die leichte Biegung des Flusses ist diese auch noch fast Sicht-geschützt.

Neben der Arbeit fand sich aber natürlich auch wieder viel Zeit für allerlei Festivitäten und Aktivitäten: So wurde unser CSA (Community Supporting Agriculture, das ist ein Garten, bei dem man sich vor der Saison Anteile kaufen kann, die man dann während der Erntezeit erwirbt) in einer feierlichen Zeremonie mit allen neuen Mitgliedern eröffnet, selbst ein örtliches Kamerateam war vor Ort. Am gleichen Abend sahen wir uns auch das Theaterstück "You can´t take it with you" der Zwölftklässler der Kimberton Waldorf School an - ein herrlich ironisches Stück, welches zudem mit großartigen Schauspielern und einer ausgefeilten Szenerie aufwartete. Leider kamen wir genau zur letzten Vorstellung - der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und viele mussten es sich auf den Treppenstufen gemütlich machen. Na ja, ich fand es die Sache wert! Das vergangene Wochenende stand schließlich unter dem Banner des Family Day und des Memorial Day. Am Samstag kamen dafür von Fern und Nah Verwandte und Freunde der hier betreuten Villager nach Kimberton, um einen Tag mit ihren Lieben zu verbringen (manche wohnen so weit entfernt, dass sie nur dieses eine Mal im Jahr kommen). Das Wetter war bombig und unter dem Zelt hinter dem Kepler-Haus gesellte man sich zu allerlei Süßem zusammen (darunter eine riesige Sahnetorte mit US-Flagge als Glasur!). Ich kam leider etwas zu spät, da ich noch meine Uni-Bewerbungen losschicken wollte, das Postamt jedoch schon geschlossen war und ich deshalb nach Phoenixville fahren musste, wo ich eine Minute vor Schließung der dort angesiedelten Poststelle doch noch meine Briefe los wurde. Grund der Eile war der bereits erwähnte Memorial Day am Montag, der mich dazu gezwungen hätte, die Dokumente erst am Dienstag abzusenden. Am Memorial Day gedenkt Amerika übrigens den Opfern der Kriege, an denen es beteiligt war. Unsereiner bekam dafür den Nachmittag frei! Genutzt wurde das für ein Ultimate-Frisbee Spiel, gefolgt von einem Potluck sowie einer Partie Fußball. Doch ein grauer Fleck haftete an diesem Tag: Der von Aley aufgepäppelte und mütterlich umsorgte Vogel war am Morgen einer Katze zum Opfer gefallen! Trost half in dieser Situation nur bedingt. Ich glaube zwar, dass der Kleine aufgrund seiner Scheulosigkeit in freier Wildbahn ohnehin nicht lange überlebt hätte, doch schade ist es trotzdem...

Ansonsten ist eigentlich kaum Nennenswertes passiert. Wir haben mal wieder Waldorf-Schüler hier, dieses Mal aus Chicago! Diese scheinen begabter (oder vielleicht auch einfach nur motivierter) zu sein, als die New Yorker Schüler von vor drei Wochen. So durfte der Garten am letzten Dienstag nicht nur mich als neuen Ernte-Helfer begrüßen (jeden Dienstag Vormittag helfe ich nun nämlich dort aus!), sondern auch von den Pflanz- und Unkraut-Zupf-Fähigkeiten der Großstädter Gebrauch machen. Ebenfalls am Dienstag half ich Michael bei der Ausrichtung meines ersten "Dry Cows" (so nennen wir hier ein wöchentliches Unterhaltungsprogramm für die Villager): Michael las eine Geschichte vor, die eigentlich traurig war, durch die Worte "Wodka" und "nackt" jedoch schallendes Gelächter auslöste - ein voller Erfolg also! Ich probierte mich unterdessen an der Herstellung von Popcorn. Doch da mir vorher niemand gesagt hatte, dass man dafür den halben Topf (grobe Übertreibung) mit Öl füllen muss, um ein Anbrennen zu verhindern, schlug mein erster Versuch gründlich fehl. Aber schließlich lernt man ja aus seinen Fehlern. Die zweite Portion gelang und so konnten nach pünktlich einer Stunde alle einigermaßen zufrieden nach Hause gehen. Gut, das soweit zu den letzten beiden Wochen im Schnelldurchlauf. Ich für meinen Teil bereite mich jetzt auf mein freies Wochenende am Strand nahe Atlantic City (New Jersey) vor, wohin Aley und ich heute Abend nach der Arbeit aufbrechen werden! Das Wetter soll ganz schön werden und ich bin guter Dinge, dass dieses Wochenende die fehlenden touristischen Attraktionen durch Ruhe und Gemütlichkeit kompensieren wird. Und nach unserer Rückkehr sind es auch nur noch 10 Tage bis zum hochverdienten ersten langen Urlaub seit August letzten Jahres: Florian und ich fliegen für knapp zwei Wochen nach Kalifornien! Ihr seht also, trotz reichlich Arbeit kann ich mich zur Zeit keinesfalls beklagen. Genießt den Sommer!

Samstag, 17. Mai 2008

Sie hat einen Vogel!

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, eine Woche nach Bike New York wieder einen neuen Eintrag zu verfassen. Doch jeder kennt das vom Neujahrsfest - am Ende schaffen es nur die Wenigsten, das Vorgenommene in die Tat umzusetzen. Bei mir kam dazu, dass ich zwar eine Menge zu erzählen hatte, um das Ganze dann allerdings in Schriftform zu fassen, fehlte mir schlicht die Zeit. Was zu diesem ungewöhnlichen Umstand führte, erfahrt Ihr hier - von meinem Einblick ins Machtzentrum des Camphills, einer Woche voller Geburtstage und Gartenarbeit und schließlich einer Freundin, die buchstäblich einen Vogel hat (keine Sorge, es ist alles in Ordnung zwischen uns)... 

Doch der Reihe nach: Nach unserem Bike New York Wochenende hatten wir in Kimberton Hills Besuch von Highschool-Schülern aus eben dieser Stadt! Die Elftklässler halfen u.a. im Garten, der Estate sowie in den Häusern aus, so gut sie konnten. Leider waren die Großstädter (der letzte Nebensatz versucht das bereits anzudeuten) nicht besonders talentiert auf dem Gebiet der Gartenarbeit. Im Zuge der Reinigung eines zugewachsenen Pfades entlang des French Creeks zu Beginn der Woche gingen etliche Werkzeuge zu Bruch. Ich war mit der Motorsense voraus gegangen, um grobes Gebüsch vom Wegesrand zu entfernen. Elad, die Villager und die Schüler sorgten für die Details, indem sie übrig gebliebenes ausrissen und den Weg mit Harken freimachten. Am Ende war die Aktion dann allerdings doch ein Erfolg, schließlich kann die camphill'sche Flaniermeile nun wieder zum Joggen und Spazieren gehen genutzt werden und zumindest ich genoss meine (Arbeits-)Zeit entlang des Flusses.
Werkzeuge (in diesem Fall eine Grabegabel und eine Motorsense) wurden auch in Sankanac geopfert, um die Jugendlichen möglichst abwechslungsreich zu beschäftigen. Doch das Säubern eines einen Quadratmeter großen Beets nahm drei Schüler über eine Stunde in Anspruch (dass es hinterher besser aussah ließ sich nicht mehr eindeutig feststellen), die Motorsense wurde, anstatt sie wie eine Sense zu schwingen, wie ein normaler Rasenmäher in Bahnen über die Wiese gejagt bevor sie an einem Stein ihr unrühmliches Ende fand und von dem brutalen Versuch, den riesigen Baumstumpf in unserem Vorgarten mit planlosen Axthieben zu bearbeiten, möchte ich eigentlich gar nicht mehr reden (die Axt ist noch heil, was will man mehr!)...

Am Freitag verließen uns die New Yorker leider auch schon wieder. Tags zuvor hatten sie deshalb extra für das Camphill-Volk eine "Talent-Show" organisiert. Wem jetzt in Erinnerung an Dieter Bohlens "Deutschland sucht den Superstar" ein kalter Schauer über den Rücken läuft, der sei entwarnt: Die Schüler boten wirklich eine gute Performance - so wurde gesungen, Klavier und Gitarre gespielt und zum Schluss wieder gesungen. Und Textsicherheit hin oder her, dieser Auftritt war es schon wer, sich ihn anzusehen. Und auch wenn unter der Woche nicht alles reibungslos verlaufen war, ich bin mir sicher, dass alle Beteiligten an Erfahrung gewonnen haben, und das war schließlich der Sinn des Besuchs.

Auf die oben angesprochene Gartenarbeit möchte ich jetzt noch nicht zu sprechen kommen. Denn obwohl ich nahezu besessen mit der Bepflanzung und Reinigung des Vorgartens unseres Hauses beschäftigt war (selbst meine beiden zurückliegenden freien Dienstag-Nachmittage gingen dafür teilweise flöten) und die Arbeiten nun endgültig abgeschlossen sind, berichte ich lieber von dem am Wochenende abgehaltenen "Yardsale" und lasse Euch noch ein wenig schmoren, bevor ich den zweiten Teil meines Garten-Artikels Anfang nächster Woche veröffentliche. Kommen wir also zum Yardsale am vergangenen Wochenende: Felicity und Mimi hatten sich dafür wochenlang ins Zeug gelegt - gespendete Kleidung, Spielsachen, Küchenaccessoires, Bücher sowie Schmuck (für den am gleichen Tag stattfindenden "Jewelry-Sale" von Mimi), all das wurde sortiert, teilweise ausgepreist und am Freitag Nachmittag bei strömendem Regen in ein großes Zelt auf der Wiese hinter dem Café gebracht. Hinweisschilder an den Straßenrändern lockten schließlich am Samstag Vorbeifahrende zum Ort des Geschehens. Auch ich verbrachte einen Großteil des Tages an den Ständen: Nachdem ich den halben Vormittag unentschlossen um den Schmuck geschlichen war und mit Mimi um Preise gefeilscht hatte, wechselten am Ende dann doch ein paar Ohrringe den Besitzer. Ich möchte jedoch betonen, dass mir diese Art Schmuck für mich selbst eher ungeeignet erscheint, weshalb auch nicht ich sondern meine Freundin Aley Ziel der Transaktion war ;) 

Und da wären wir auch schon bei Aley und ihrem Vogel. Einen solchen sammelte sie nämlich am Donnerstag am Wegesrand auf! Das zur Art der "Robins" gehörende Kücken (ob Männlein oder Weiblein konnte nicht festgestellt werden) konnte anfangs sein rechtes Bein nicht bewegen und blickte auch sonst ziemlich erbärmlich drein. Doch Aley kümmerte sich rührend um den kleinen Schreihals, fütterte ihn mit Würmern, Brot sowie Wasser. Außerdem kaufte sie auf dem Yardsale ein Vogelhäuschen, in welchem sich der kleine regenerieren sollte. Doch mittlerweile ist der Vogel putzmunter und der Käfig immer noch nicht einsatzbereit, was wohl dazu führen wird, dass dieser nicht als Vogelhaus sondern als Gartenaccessoire enden wird. Bleibt nur zu hoffen, dass das Vögelchen sich nicht zu sehr an seine Ziehmutter gewöhnt (mittlerweile liebt er es, auf ihrer Schulter herum getragen zu werden) und ihn seine zur Zeit noch zaghaften Flugversuche wieder zurück in die Wildnis führen werden.

So, der vorletzte Punkt des heutigen Artikels soll sich mit den zahlreichen Geburtstagen der vergangenen Woche befassen: Neben mir hatten am Montag auch Steven und Alan ihren Ehrentag. Ersterer feierte bereits am Samstag eine Art anthroposophische Party - er lud jedermann zum Musizieren und Kuchen essen ein; Partymusik war rar und als Getränke wurden Wasser, Saft und ein etwas bitterer Rotwein ausgeschenkt. Die meisten Gäste konnten sich diesem Amüsement nicht lange hingeben, zumal kurz nach meiner Ankunft gegen halb elf (Aley und ich hatten zuvor den Abschlussball der Kimberton Waldorf School unsicher gemacht) ein Mädchen anfing, sehr traurige Lieder zu singen. Das war dann doch zu viel des Guten - ich las lieber noch ein gutes Buch! 

Der Startschuss für meinen eigenen Geburtstag viel am Montag Morgen während des Morning Gatherings in Rose Hall: Wir hatten mit Sarah afrikanische Lieder einstudiert, die wir den Massen präsentierten. Anschließend widmete ich mich wie an jedem Montag der Reinigung der Badezimmer. Am Nachmittag allerdings kam die erste Überraschung! Zu meinen Ehren (und weil das Wetter so miserabel war) gönnte uns Martha eine Tour zur Bibliothek (das mag sich komisch anhören, aber die Villager lieben das). Den Abend verbrachte ich dann schließlich ohne großes Aufsehen in trauter Zweisamkeit mit Aley, die leckeres Stromboli und Schokoladenkuchen besorgt hatte. Am Dienstag gingen wir dann schließlich mit allen Sankanac-Insassen zum Eis essen nach Phoenixville. Ja, so lässt es sich aushalten! Doch der Geburtstagsmarathon geht weiter! Am Freitag feierte Andy aus meinem Haus seinen 51sten, der mit riesigen Pizzas im Valley Forge Restaurant zelebriert wurde. Und auch Lisa und Esther sind Maikinder. Es bleibt also feierlich in Sankanac!

So, nun aber wirklich das Ende! Am Mittwoch durfte ich dem obersten Camphill-Gremium, der "Management-Group", beiwohnen, da Florian als Vertreter der Service-Volunteers für zwei Wochen im Urlaub ist. "Village-Bürokratie in Aktion", diesen Titel könnte man jener Veranstaltung eigentlich geben. Denn bei all den Meetings, die Co-Worker hier allwöchentlich über sich ergehen lassen müssen, wundert man sich, dass es überhaupt Ansätze von Fortschritten gibt. Zu den Themen des Treffens gehörten übrigens, wie so oft, die Autoproblematik und wie man den höheren Benzinpreisen Herr werden kann, die Öffnungszeiten des neuen Cafés sowie die Digitalisierung des Camphill Policy-Buches (da stehen all die Regeln drin, nach denen hier gehandelt wird). Allerdings muss bei vielen Dingen, die die Management-Group entscheidet, erst mit den einzelnen Associations (kleinere Untereinheiten im Village, bestehend aus mehreren Häusern) Rücksprache gehalten werden. Wie gut, dass wir so etwas aus Deutschland gewohnt sind - was würde der Mensch bloß ohne Regeln machen...? Vielen Dank für Euer Interesse und auch noch einmal für die Geburtstagsglückwünsche in der vergangenen Woche!

Samstag, 3. Mai 2008

Longwood Gardens

Gut, bevor ich zu einem weiteren kulturellen Höhepunkt der vergangenen Woche komme, möchte ich noch eben alle mit den neuesten Informationen zu meinen Tätigkeiten hier versorgen: Die Arbeit im Sankanac-Garten schreitet voran - seit Tagen quäle ich mich mit mehreren Baumstümpfen herum und sobald Esther mit der Umsiedlung ihrer Lieblingspflanzen fertig ist, kann auch so langsam mit dem Abschluss der Landschaftsgestaltung gerechnet werden. Ich für meinen Teil rechne mit weiteren zwei oder drei Wochen - dann kann bestimmt auch schon mit dem zweiten Teil meines Garten-Artikels gerechnet werden (in Teil 1 ging es um den Wiederaufbau der Gartenlaube im letzten Herbst).

Wer in den letzten Tagen meine Seite besucht hat, dem wird bestimmt die Bildergalerie zu "Longwood Gardens" aufgefallen sein, die Aley, ihre Familie (inkl. den von der Westküste sowie der Schweiz angereisten Großeltern) und ich am vorletzten Dienstag besuchten. Dieses Idyll liegt weniger als eine Autostunde von hier entfernt, was uns dazu veranlasste, das großartige Wetter für einen Familienausflug zu nutzen. Bilder sagen mehr als Worte, deshalb seht Euch am Besten die Galerie an, wenn nicht bereits geschehen. Zu ergänzen bleibt nur - sollte es jemanden in diese Ecke Amerikas verschlagen - es lohnt sich auf jeden Fall! Neben den typischen Pflanzenausstellungen und atemberaubenden Parkanlagen gibt es in jeder Saison auch besondere Events wie etwa Feuerwerke oder "Fountain-Shows". So, genug der Werbung. Im Anschluss an dieses sehr entspannte Erlebnis ging es wieder zurück nach Phoenixville, wo wir auf der Terrasse der "Fitzwater Station" (ein super Restaurant, direkt an einem Flüsschen gelegen) Abendbrot aßen. Ein klasse Tag!

Sowohl in meinem Vormittags-Workshop in Sankanac, als auch in der Estate/dem Orchard am Nachmittag stand vor allem eine Aufgabe ganz oben auf der Liste: Rasen mähen!!! Jeder kennt das ja von zu Hause - da kümmert man sich mal ein, zwei Wochen nicht um den lieben Rasen und schon wächst er einem über den Kopf - besonders deutlich wird das, wenn hin und wieder ein Schauer fällt und ansonsten tagtäglich die Sonne lacht. In unserem Vorgarten durfte ich also die im letzten Herbst neu gekauften Utensilien ausprobieren: Einen Rasenmäher, dessen Motorleistung leider nicht mit dem solide auftretenden Äußeren mithalten kann, sowie eine Motorsense. Ach und apropos Sense: In meiner Heimat, dem Spreewald, ist diese Art Rasentrimmer ja immer noch rege im Einsatz. Martha und Thomas (arbeiteten am Mittwoch mit mir im Orchard) staunten nicht schlecht, als ich ohne große Probleme zwischen den Weinstöcken im Vineyard (Bild links) die Sense schwang und auch professionell schärfen konnte - Gruß und Dank an dieser Stelle an meinen Opi in Müschen für die Lehrstunden (und das bezieht sich nicht nur aufs Sensen ;).

Auch sonst wurde reichlich gemäht - neben normalen Mähern verwenden wir im Estate aber vor allem auch Rasentraktoren und ähnlich großes Gerät. Mit denen zieht man dann auf den riesigen Grünflächen im Village-Kern seine Kreise, oder man fährt wie ich gestern im Zickzack und stets mit geducktem Kopf durch den Pfeiffer-Orchard, weil Sensen bei solchen Grasbüschen zu anstrengend ist und bestimmte Anwohner auf Motorsensen allergisch reagieren...

So, kommen wir zu den versprochenen kulturellen Höhepunkten, schließlich werden nur die Wenigsten unter Euch ein ehrliches Interesse an meiner "Begeisterung" fürs Mähen haben, oder irre ich mich...Da hätten wir zum Einen das Theaterstück "Much Ado About Nothing" von Shakespeare. Aley und Claire spielten zwei der Hauptpersonen, sorgten für die Dekoration und führten auch noch Regie! Auch wenn ich mich nicht als größten Fan von Shakespeare bezeichnen würde fand ich diese Inszenierung wirklich großartig! Alle Schauspieler hatten extra für das Stück Sprachunterricht erhalten, um das Ganze noch authentischer zu machen. Zudem durften sich die weiblichen Darsteller mit männlichen Rollen einem speziellen Lauf- und Verhaltenstraining stellen - zum Schreien komisch sag ich Euch! Allerdings waren alle Beteiligten auch froh, als die Aufführung vorbei war (wie auch die Fahrerei zwischen den Orten, wo geprobt wurde) und die monatelange Anspannung mit einem Mal abfiel (auch von mir übrigens ;)).

So, zum Abschluss noch ein Blick auf den morgigen Tag. Früh um halb vier fahren wir nach New York City, wo um acht Uhr "Bike New York" startet, eine über 42 Meilen lange Fahrrad-Tour mit 30.000 Teilnehmern quer durch die fünf Stadtviertel New Yorks! Ich hoffe nur, wir bekommen einigermaßen vernünftiges Wetter und dass uns große Pannen erspart bleiben. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt mit Sicherheit in der kommenden Woche! Und mit einem Bild der beiden Mini-Esel, die sich der Garten vor nicht allzu langer Zeit zugelegt hat (die sollen trainiert werden und irgendwann in der Lage sein, Karren zu ziehen), möchte ich meinen Bericht abschließen. Habt eine wunderschöne erste Maiwoche und haltet die Ohren steif (siehe Bild) :D. Hasta luego!

Sonntag, 20. April 2008

Trockendock

Bevor ich mit meinem Wochenbericht beginne möchte ich noch schnell den von mir um ein weiteres Mal nach hinten verschobenen Abreisetermin verkünden: Aus persönlichen und praktischen Gründen verbleibe ich noch eine weitere Woche hier in Kimberton. Sollten bei der Umbuchung nicht wider erwartend Probleme auftreten, könnt ihr mit meiner Ankunft in Berlin Tegel am Samstag, dem 26. Juli rechnen. Ob dies dann letzten Endes wirklich der Fall ist wird sich herausstellen...So, nun aber zu meinem Bericht! Wir haben Sonntag, den 20. April und als wenn der Sommer es gewusst hätte - gerade befinde ich mich in meinem wohlverdienten freien Wochenende! Seit Tagen bewegt sich das Quecksilber zwischen 25 und 30 Grad Celsius, strahlender Sonnenschein wärmt die Gemüter und selbst nachts lässt es sich bequem im T-Shirt aushalten (auch wenn ich zugeben muss dass man dann schon merkt, in welchem Monat wir uns befinden). Doch da mein letzter Bericht auch schon wieder fast zwei Wochen her ist möchte ich damit beginnen, wo ich beim letzten Mal geschlossen habe...

Seit zwei Wochen bin ich nun in der Estate beschäftigt. Unter der noch geteilten Leitung von Elad (dieser wohnt seit letztem Herbst mit seiner Familie im Martin's Haus) und Martha besteht der Aufgabe der früheren Orchard-Crew jetzt darin, die Überbleibsel des vergangenen Herbstes zu beseitigen, letzte Feinarbeiten im Orchard vorzunehmen sowie, und das wird vermutlich unsere Haupttätigkeit in den kommenden Monaten, die tausenden Quadratmeter Grünflächen mit Rasenmäher, -traktor bzw. -trimmer in Stand zu halten (so durfte ich am Freitag z.B. rings um Rose Hall zwei Stunden lang Traktor fahren, der Traum aller den Kinderschuhen entwachsenden Männer wurde für mich war ;)). Zwischendurch gibt es dann allerdings auch mal "Spezialaufgaben" für Jannick und mich: Wir beide sind keine allzu großen Fans von Laub harken und Co. was dazu geführt hat, dass wir uns entweder selbst Jobs suchen, die etwas Abwechselung in den Arbeitsalltag bringen, oder Martha zeigt Erbarmen und überzeugt Elad von der Notwendigkeit diverser Nebenjobs. Als Beispiel der von uns bewiesenen Eigeninitiative sei ein zweistündiges Hochleistungs-Workout zur Rettung der Umwelt nahe des Serena-Hauses in der vorletzten Woche hervorzuheben: Jannick hatte zufällig "beim Wegschütten von Milch" (???) mehrere alte Autoreifen ausgemacht, die im Waldstück hinter seinem Haus vor sich hin moderten. Unter der falschen Annahme, wir würden dort hinfahren, schnell die Reifen einladen und uns dann wieder anderen Dingen widmen, machten wir uns mit dem Estate-Truck zum Ort des Geschehens auf. Doch ich hätte es eigentlich besser wissen müssen: "Waldstück" kann hier für gewöhnlich mit einer "30 Grad steilen und mit reichlich natürlichen Hindernissen und logischer Weise Bäumen gesäumten Fläche" übersetzt werden. Nicht nur, dass wir 70 Prozent der Reifen erst einmal aus dem Morast befreien mussten (einige waren sogar unter einem umgefallenen Baum begraben), nein auch das Hinaufbefördern der "Artefakte" brachte uns beide bis an den Rand der Erschöpfung. Da fällt mir ein, dass wir uns auch noch dazu verpflichtet hatten, unseren Fund zum Recycling-Center zu fahren. Na mal sehen wann wir uns dazu aufraffen können...

Eine weitere Sonderaufgabe in der vergangenen Woche versetzte mich in den Woodshop, wo ich zuerst mit Ben (Marthas Ehemann), später allein und am letzten Tag unter Mithilfe von Aleys jüngster Schwester Sylvia kleine Holzboote für die zweite Klasse der Kimberton Waldorf-Schule zu schnitt. Etwa 200 davon "rollten" am Ende von unserem Stapel - mit einem Loch für den Segelmast und einige sogar schon fein geschliffen - bereit für den wohltätigen Verkauf durch die Grundschüler. Rechts sieht man das Endresultat bzw. das Musterboot, nach dem wir gearbeitet haben. Links bereitet Sylvia gerade die Boote zum Bohren der Löcher vor - einfach süß die Kleine :) Ach, Ben war übrigens so zufrieden mit meiner Arbeit, dass ich womöglich bald wieder mit so einem Projekt betraut werde. Auch so lassen sich die Nachmittagsstunden sinnvoll über die Runden bringen.

Und noch eine Sache zum Thema Arbeit: Die vorletzte Woche war ziemlich stressig, was seine Ursache in der Abwesenheit von Michael und Karin hatte, die sich einen längeren Urlaub in Maine gönnten. Für mich hieß das fast jeden Tag Housesitting, Mahlzeiten zubereiten und eine mehr oder weniger eingeschränkte Freizeitgestaltung. Da lässt sich schon erahnen was auf mich zukommt, wenn die beiden ab Mai Vollzeit im Garten arbeiten und auch Ann, die vor allem am Wochenende immer mindestens eine Schicht übernimmt, wieder zurück nach Deutschland fliegt. Zu meinem Glück feierte Esthers Tochter Emily an jenem Samstag ihren 9. Geburtstag, weshalb die halbe Verwandtschaft zum Abendessen erschien und Esther mir kurzfristig frei gab. Jannick, Claire, Aley und ich konnten daher einen entspannten Tag im Kimberton Park verbringen. Das anschließende Abendessen genossen wir bei Rocco's, der nächstgelegenen Pizzeria zwischen Kimberton und Phoenixville.

Ich werde übrigens ab Mai die Arbeit in einem dritten Workshop aufnehmen, wenn auch nur für einen Vormittag in der Woche: Sobald im Garten die Erntezeit beginnt werde ich an jedem Dienstag mit von der Partie sein und versuchen, die Lücke an Arbeitskräften (besonders Sangmin und Ann) zumindest kleiner zu machen. Und auch der Sankanac Garten sollte bis Mitte Mai in neuem Glanz erstrahlen, nachdem ich nun endlich den Weg zwischen Hauseingang, Gartenlaube und Carriage-Haus abschließen konnte und auch Esther nun langsam mehr und mehr Zeit mit Unkrautjäten etc. verbringt.

Am Mittwoch hatten wir keinen Orientation-Vortrag, da ein weiteres Sportevent auf dem Programm stand: Das Baseball-Game zwischen den Philadelphia "Phillies" und Houston (deren Name ist mir gerade entfallen). Doch wer jetzt einen komplexen Spielbericht oder Bilder erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Zwar stand ich mit auf der Ticket-Liste, doch dieses an Spannung kaum zu übertreffende Highlight amerikanischer Ballspiel-Kultur (drei Stunden wird ein winziger Ball zwischen Pitcher und Catcher hin und her geworfen, der Zuschauer selbst sieht davon nicht allzu viel, da er in dem riesigen Stadion genau auf der Seite des Feldes sitzt, wo ggf. alle halbe Stunde mal ein Ball landet) wollte ich mir dann doch ersparen. Sorry an alle Sportbegeisterten unter den Lesern dieses Berichts...Ach für alle die es interessiert, das Spiel haben die Houstoner haushoch mit 2:1 gewonnen!


Etwas mehr Unterhaltung bot dann doch der Jongleur in der Kimberton Waldorf-Schule am vorgestrigen Freitag Abend. Dieser angeblich weltweit bekannte Künstler trat schon für den Cirque du Soleil auf und war auch bereits in diversen Filmen zu sehen. Welche das waren konnte uns allerdings auch niemand verraten. Wie auch immer, in einer einstündigen Show zeigte uns Michael, so sein Name, seine Künste. Böse Zungen behaupten ja, sie hätten schon weitaus bessere Jongleure gesehen. Doch ich meine schon dass dieser Mann wusste, was er tat, auch wenn einige Einlagen sehr dem Alter des Publikums angepasst schienen. Nun ja, oben sieht man einen von mir mitgeschnittenen Auszug der Show...Und noch ein Video möchte ich Euch auf keinen Fall vorenthalten: 



Darin zu sehen ist ein Ausschnitt der Auktion, zu der Aley und ich an diesem Samstag fuhren. Eigentlicher Grund der einstündigen Anreise durch Lancaster Country (Bild links) ins sonnenverwöhnte Städtchen Rheinholds war Aleys Pferdeleidenschaft (sie wird im Sommer wieder ein Pferd leasen und brauchte noch verschiedenes Equipment). Doch bevor es soweit war wurde allerlei Krimskrams von Büchern über Pflanzen, Bilder und Gartentools bis hin zu Möbelstücken versteigert. Sogar ein Truck für über $10.000 war darunter. Nach mehr als vier Stunden verließen wir glücklich aber auch erschöpft und beide mit einem minderschweren Sonnenbrand den Ort des Geschehens. Für mich sprang ein schickes Gemälde heraus, welches garantiert mehr wert ist als der dafür gebotene $1. Die Shopping-Tour in Exton viel daraufhin etwas knapper aus als geplant - stattdessen ging es runter zum French-Creek, wo wir erstmals in diesem Jahr das noch ziemlich frische Wasser durchwateten.

Heute lasse ich es noch etwas ruhiger angehen, nicht zuletzt weil Aleys Familie den ganzen Tag bei der Konfirmation ihrer Schwester ist. An solchen Tagen kann man sich dann auch die Zeit nehmen, einen solchen Website-Artikel zu erstellen und die Zügel etwas lockerer zu lassen. Mal sehen, was heute noch so schönes auf mich zukommt...Genießt den Frühling und danke für Eure Aufmerksamkeit!!!